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Spiel des Jahres: Wie ein kleiner roter Pöppel die Brettspielwelt veränderte



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Orientierung im Spiele-Dschungel


Du hast ihn bestimmt schon mal gesehen: Ein kleiner roter Aufsteller, auf dem "Spiel des Jahres" steht. Vielleicht auf Spielen wie Codenames, Azul oder Carcassonne. Dieser rote Pöppel ist mehr als ein Aufkleber. Er ist ein Signal. Ein Wegweiser. Ein Qualitätssiegel.

In der zweiten Folge meines Podcasts Unterm Spieltisch spreche ich genau über diesen Preis. Wie er entstanden ist, was ihn besonders macht und warum er auch für Menschen spannend ist, die noch nie ein modernes Brettspiel gespielt haben. In diesem Artikel bekommst du einen Vorgeschmack, ohne alles zu verraten. Denn reinhören lohnt sich!



Warum ein Preis die Spielkultur verändert hat


Stell dir vor, du stehst vor einem Spieleregal mit Hunderten Titeln. Du suchst ein Spiel für deine Familie, dein Team oder deine Klasse. Aber du hast keine Ahnung, was davon gut ist. Genau dafür wurde der Preis "Spiel des Jahres" geschaffen.

Seit 1979 hilft er Menschen, gute Spiele zu erkennen, auch ohne Vorkenntnisse. Und das funktioniert: Ein Spiel, das diesen Preis gewinnt, verkauft sich oft zehnmal so gut wie vorher. Warum? Weil der rote Pöppel Vertrauen schafft.



Die Idee am Kamin


Die Geschichte beginnt nicht auf einer großen Bühne, sondern ganz leise. An einem Kaminabend bei München, am Vorabend der Spielwarenmesse 1978. Eine kleine Gruppe von Spielekritikern, Autoren und Journalist:innen sprach darüber, wie schwer es ist, Orientierung im Spielemarkt zu finden.


Einer von ihnen war Jürgen Herz, WDR-Redakteur. Er hatte die Idee: "Warum zeichnen wir nicht jedes Jahr das beste Spiel aus?" Keine Marketingnummer, sondern eine echte Empfehlung. Gemeinsam mit Tom Werneck, Bernward Thole und Alex Randolph wurde aus dieser Idee schnell ein Plan.



Sie wollten mehr als nur einen Preis schaffen. Sie wollten das Spiel als Kulturgut sichtbar machen.


Ein bisschen Tipp-Kick, ein bisschen Zufall


Was hat das alles mit Fußball zu tun? Viel! Denn ein Tipp-Kick-Turnier für Journalisten brachte die Gruppe bald wieder zusammen. Im Biergarten nach dem Spiel wurde der Verein "Spiel des Jahres e. V." gegründet, ganz offiziell.

Die Regeln: Nur Menschen, die nicht beruflich mit Spieleverkauf oder -produktion zu tun haben, dürfen mitentscheiden. Bis heute ist diese Unabhängigkeit ein zentrales Prinzip. Kein Sponsoring, kein kommerzieller Einfluss.



Der rote Pöppel wirkt


Das erste Spiel, das ausgezeichnet wurde, war Hase und Igel. Es bekam 1979 offiziell den Preis. Und siehe da: Die Verkaufszahlen stiegen rasant. Seitdem gilt: Wer den Pöppel auf der Schachtel hat, landet automatisch in vielen Einkaufswagen.

Doch der Preis ist mehr als Marketing. Die Jury testet jedes Jahr rund 400 Spiele, holt Menschen aller Altersgruppen an den Tisch, achtet auf Verständlichkeit, Spielspaß, Gestaltung und Wiederspielreiz.



Drei Kategorien, viele Chancen


Heute gibt es nicht nur das "Spiel des Jahres". Es kamen zwei weitere Kategorien dazu:

  • Kinderspiel des Jahres: Für Spiele, die besonders gut für Kinder geeignet sind.

  • Kennerspiel des Jahres: Für etwas anspruchsvollere Spiele, die auch Anfänger mit etwas Neugier spielen können.


Kennerspielⁱ: Ein Spiel mit mehr Regeln und strategischen Entscheidungen, aber ohne Frustfaktor für Einsteigerinnen.*


Kennerspiel = Kategorie für gehobenere Familienspiele, nicht zu verwechseln mit Experten- oder Vielspielerspielen.



Mehr als nur ein Preis


Der Verein "Spiel des Jahres" macht heute noch viel mehr:


  • Spielepakete für Schulen, Bibliotheken und soziale Einrichtungen

  • Fortbildungen für Pädagog:innen

  • Initiativen wie "Spielend für Toleranz"


Die Auszeichnung hat dazu beigetragen, dass Spielen gesellschaftlich aufgewertet wurde. Selbst Politiker:innen erschienen früher zur Preisverleihung und spielten öffentlich mit, das war damals revolutionär.



Drei Menschen, ein Vermächtnis


Besonders drei Personen prägten den Preis:


  • Tom Werneck: heute 86 Jahre alt, immer noch aktiv

  • Alex Randolph: Spielautor, der Spiele als Kunst verstand

  • Bernward Thole: Begründer des Deutschen Spiele-Archivs in Nürnberg


Sie alle haben gezeigt: Spielen ist mehr als Unterhaltung. Es ist Kultur, Austausch, Bildung.



Und heute?


Heute ist "Spiel des Jahres" ein international bekanntes Siegel. Der Preis wird auch im Ausland gedruckt, oft sogar auf Deutsch. Drei Wörter, die weltweit Vertrauen wecken: Spiel des Jahres.

Und er zeigt: Große Ideen müssen nicht laut sein. Manchmal beginnen sie mit einem Gespräch am Kamin, einem Spiel im Biergarten und mit dem Mut, dranzubleiben.



FAQ: Spiel des Jahres im Überblick


1. Was ist das "Spiel des Jahres"? Ein Preis für besonders empfehlenswerte Brettspiele, vergeben von einer unabhängigen Jury.


2. Warum ist dieser Preis wichtig? Er hilft Menschen, gute Spiele zu finden – auch ohne Vorkenntnisse oder Beratung.


3. Was bringt der Preis einem Spiel? Oft eine Verzehnfachung der Verkaufszahlen und internationale Aufmerksamkeit.


4. Wer entscheidet über die Auszeichnung? Eine Jury aus erfahrenen Kritiker:innen, die alle Spiele ausgiebig testen.


5. Muss man ein "Kennerspiel" verstehen, um einzusteigen? Nein. Die Kategorie richtet sich an neugierige Einsteiger, nicht an Profis.


6. Was zeichnet ein gutes Spiel aus? Klare Regeln, gute Gestaltung, Spielspaß, Wiederspielreiz und Verständlichkeit.


7. Gibt es Kritik am Preis? Ja, manche Vielspieler wünschen sich komplexere Titel. Doch genau für Einsteiger ist der Preis gedacht.


8. Wo finde ich weitere Infos? Im Podcast Unterm Spieltisch, Folge 2: "Wie ein Preis die Spielwelt veränderte".



Ein Preis mit Wirkung


Der rote Pöppel ist kein Luxus, er ist ein Leitsystem. Er hilft dir, dich in der Welt der Spiele zurechtzufinden.

Wenn du also das nächste Mal vor einem Spiele-Regal stehst und nicht weiterweißt: Schau nach dem Spiel-des-Jahres-Logo. Es könnte der Anfang von etwas richtig Gutem sein.

Und wenn du mehr über die Hintergründe erfahren willst, dann hör gern rein in Folge 2 meines Podcasts Unterm Spieltisch.

Zu finden auf Spotify und PodcastAddict.





 
 
 

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