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Spiel vs. Spielen: Warum es hilft, wenn wir Begriffe besser auseinanderhalten



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Was meinen wir eigentlich, wenn wir "Spiel" sagen?


"Spiel". Ein Wort, das fast jeder kennt. Aber was bedeutet es eigentlich genau?Ist es das Toben auf dem Spielplatz? Ein ernstes Schachturnier? Oder doch das Gesellschaftsspiel am Abend?

In der dritten Folge meines Podcasts Unterm Spieltisch widme ich mich genau dieser Frage. Denn wie wir über "Spiel" sprechen, entscheidet auch darüber, wie wir es wahrnehmen und ob wir ihm in unserem Alltag überhaupt einen Platz geben.

Dieser Artikel gibt dir einen Überblick. Aber wie immer gilt: Wenn du tiefer einsteigen willst, hör gern in die neue Folge rein!



Zwei Bilder, ein Wort


Stell dir zwei Szenen vor:


  1. Kinder auf einem Spielplatz. Lachen, Rutschen, Rufen.

  2. Erwachsene in einem Schachclub. Konzentration, Strategie, leises Klacken der Figuren.


Beide Situationen nennen wir "Spiel". Und trotzdem sind sie komplett unterschiedlich. Warum ist das so?

Ganz einfach: Das Wort "Spiel" ist ein echter Alleskönner. Es beschreibt nicht nur das, was Kinder tun, sondern auch das, was Erwachsene erleben. Manchmal ist es wild und frei. Manchmal streng und geregelt.

Und genau hier fangen viele Missverständnisse an. Denn wenn wir in Bildung, Teamarbeit oder Therapie über "Spielen" sprechen, meinen wir oft ganz verschiedene Dinge.



Warum Sprache entscheidend ist


Sprache hilft uns, Dinge zu ordnen. Sie gibt Struktur, schafft Klarheit und öffnet Gespräche. Wenn jemand sagt: "Jetzt ist nicht die Zeit zum Spielen", dann steckt dahinter oft ein Bild von kindlicher Leichtigkeit. Aber vielleicht meint die andere Person ja genau das Gegenteil: Ernsthaftigkeit innerhalb eines klaren Rahmens.

Deshalb ist es wichtig, genauer hinzuschauen.


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Game und Play – Zwei Seiten einer Medaille


Im Englischen gibt es eine Unterscheidung, die im Deutschen oft fehlt:

  • Game: das Spiel als Struktur. Regeln, Ziele, Material, Raum.

  • Play: das Spielen als Haltung. Freiwilligkeit, Neugier, Erleben.

Diese Unterscheidung hilft, denn sie zeigt: Ein Spiel ist nicht nur ein Ding, sondern auch eine Erfahrung.



Game = das Spielsystem. Play = das, was wir daraus machen.


In der Podcastfolge erkläre ich, wie sich "game" weiter aufteilen lässt:


  • Spiel-Raum: Wo findet es statt?

  • Begrenzung: Was ist erlaubt, was nicht?

  • Interaktionsregeln: Wie gehen wir miteinander um?

  • Spielobjekte: Karten, Figuren, Sanduhr, etc.

  • Spielziel: Wohin wollen wir?



Warum diese Begriffe so wertvoll sind


Wenn wir über Spiel sprechen, haben wir oft verschiedene "Brillen" auf:


  • Spiel = Lernen: Wir sehen die Entwicklung.

  • Spiel = Wettbewerb: Wir denken an Sieg und Niederlage.

  • Spiel = Fantasie: Wir denken an Rollen und Geschichten.

  • Spiel = Chaos: Wir denken an Leichtsinn oder Pause.


Alle diese Bilder sind richtig, aber nie vollständig.

Deshalb hilft es, die Begriffe sauber zu trennen. Dann verstehen wir uns besser. In Teams, in Schulen, in der sozialen Arbeit.


Der magische Kreis

Ein hilfreiches Bild ist der sogenannte magische Kreis.



Ein Raum, in dem andere Regeln gelten als draußen.


Er stammt vom Kulturhistoriker Johan Huizinga. Im Spiel betreten wir einen besonderen Raum. Innerhalb dieses Rahmens können wir Dinge ausprobieren, erleben, scheitern, ohne echte Konsequenzen. Es ist kein Gegensatz zu Ernst, sondern eine Spielart von Ernsthaftigkeit.



Regeln als Befreiung


Klingt paradox? Ist es aber nicht. Der Philosoph Bernard Suits sagt:



"Ein Spiel zu spielen heißt, freiwillig zu versuchen, unnötige Hindernisse zu überwinden."


Was er meint: Regeln schänken uns einen Rahmen. Ohne sie wäre alles beliebig. Gerade weil wir Einschränkungen akzeptieren (z. B. "Nur mit einer Sechs darf ich raus"), wird das Spiel bedeutsam.

Diese Haltung nennt Suits "lusory attitude"ⁱ, die Bereitschaft, sich freiwillig auf ein Spiel einzulassen.


Lusory attitude = spielerische Haltung, freiwillige Akzeptanz von Regeln, um ein Spiel möglich zu machen.



Game-Design: Struktur trifft Haltung


Game-Designer:innen wie Katie Salen und Eric Zimmerman sehen "Game" als gestaltete Ordnung, ein Regelsystem, das Klarheit und Grenzen gibt. Das "Play" füllt diese Ordnung mit Leben. Es ist die Bewegung auf der Bühne, das kreative Ausprobieren innerhalb der Struktur.

Deshalb ist spielen nicht gleich Spielen. Das Spiel ist die Struktur. Spielen ist das Tun.



Und was heißt das jetzt konkret?


Wenn du in Zukunft mit anderen über "Spiel" sprichst, frag doch mal:


  • "Meinst du das Spiel als System – oder das Spielen als Unterhaltung?"


Diese einfache Frage kann Diskussionen klären, Missverständnisse lösen und neue Ideen ermöglichen.




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Spiel in der Praxis: Gamestorming


Ein Beispiel für bewusstes Spiel im Arbeitsalltag ist Gamestorming:


  • Ein klarer Raum mit Regeln, Rollen, Material und Zeitrahmen.

  • Ziel: Ideen finden, ausprobieren, weiterentwickeln.


Das Prinzip wird von Schulen, sozialen Einrichtungen und Unternehmen weltweit genutzt. Warum? Weil es Kreativität fördert, ohne Druck. Weil die Struktur sicher ist und das Spielen darin frei.



Vom Chaos zur Ordnung zur Lebendigkeit


Noch einmal zusammengefasst:


  • Der magische Kreis: Der geschützte Rahmen für Spielhandlungen

  • Game: Die Ordnung, die Regeln, das System

  • Play: Die Haltung, die Handlung, das Erleben


Spiel ist nicht albern. Es ist eine ernsthafte Form, mit Welt umzugehen.



FAQ: Häufige Fragen zu Spiel vs. Spielen


1. Warum ist es wichtig, Spiel und Spielen zu unterscheiden? Weil Klarheit in der Sprache zu besserem Verständnis und besseren Entscheidungen führt.


2. Ist Spielen nicht einfach ein Synonym für Spiel? Nein. Spielen ist das Tun, Spiel ist die Struktur, die dieses Tun ermöglicht.


3. Was bringt mir diese Unterscheidung im Berufsalltag? Sie hilft, Missverständnisse zu vermeiden und Spiel gezielter einzusetzen.


4. Was ist der magische Kreis? Ein symbolischer Raum mit eigenen Regeln, der Ernsthaftigkeit im Spiel ermöglicht.


5. Was bedeutet "lusory attitude"? Die freiwillige Entscheidung, Regeln zu akzeptieren, um ein Spiel zu spielen.


6. Ist das nicht zu theoretisch? Nein. Gerade im praktischen Arbeiten mit Menschen hilft diese Klarheit – besonders in Schule, Coaching und Teamentwicklung.


7. Gibt es konkrete Methoden, die damit arbeiten? Ja, z. B. Gamestorming oder analoge Planspiele.


8. Wo kann ich mehr darüber erfahren? In meinem Podcast Unterm Spieltisch, Folge 3: "Spiel vs. Spielen – warum das ein Unterschied ist".



Spiel ist mehr als nur ein Wort


Spiel ist Rahmen, Struktur, Ordnung. Spielen ist das Leben darin.

Wenn du Lust hast, tiefer in dieses Thema einzutauchen, dann hör dir gern Folge 3 von Unterm Spieltisch an.Dort gibt es noch mehr Bilder, Beispiele und Aha-Momente.

Den Podcast findest du auf Spotify und PodcastAddict.





 
 
 

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